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„Es waren sehr viele Highlights dabei“

Sven-Sören Christophersen im Interview

Die Saison 2019/20 wird durch die Corona-Pandemie und den vorzeitigen Saisonabbruch mit ziemlicher Sicherheit in die Geschichtsbücher eingehen. Für die TSV Hannover-Burgdorf gab es bis Anfang März aber viel mehr als nur das Virus, dass die gesamte Welt zum Erliegen gebracht hat. „Wir haben in der Saison viele positive Highlights gesetzt. Ob es der perfekte Saisonstart war, die Pokalsiege in Flensburg und bei den Rhein-Neckar Löwen, oder der beste Zuschauerschnitt aller Zeiten, die Mannschaft hat geliefert“, stellt der sportliche Leiter Sven-Sören Christophersen heraus. Im Interview für den RECKEN-Boten zum Saisonabschluss spricht der 35-jährige zudem noch über die namhaften Abgänge von RECKEN-Legenden wie Timo Kastening, Morten Olsen und Mait Patrail und gibt einen Ausblick auf die Spielzeit 2020/21.

RECKEN-Bote: Herr Christophersen, wie fällt Ihr abschließendes Fazit zur Saison aus?

Christophersen: „Vor der Saison gab es einige Fragezeichen, denn wir haben einen Umbruch in unserer Mannschaft vorgenommen und die Altersstruktur deutlich verjüngt. Mit dem perfekten Saisonstart hat die Mannschaft dann schnell ein Selbstverständnis entwickelt, von dem sie bis zum vorzeitigen Saisonabbruch gezehrt hat. Wir haben in der Saison viele positive Highlights gesetzt. Ob es der perfekte Saisonstart war, die Pokalsiege in Flensburg und bei den Rhein-Neckar Löwen, oder der beste Zuschauerschnitt aller Zeiten, die komplette Mannschaft hat geliefert.“

RECKEN-Bote: Was war Ihr persönliches Highlight?

Christophersen: „Das ist schwierig zu sagen und sportlich auch schwer zu gewichten, da es wie eingangs erwähnt sehr viele Höhepunkte gab. Für mich war der Umgang der Mannschaft untereinander aber entscheidend für unseren Erfolg. Das wurde bereits in der Vorbereitung sichtbar. Ich erinnere mich noch gut an eine Szene aus einem Testspiel, als Morten Olsen, der viele Stärken hat, zu denen aber nicht das Zurücklaufen zählt (lacht), nach einem Ballverlust in die Abwehr gesprintet ist und sich den Ball zurückerkämpft hat. Dies wurde von der gesamten Mannschaft inklusive der Bankspieler mit „standing ovations“ begleitet. Danach war ich guter Hoffnung, dass wir eine starke Saison spielen können.“

Recken-Bote: Durch die Corona-Pandemie wurde die Saison vorzeitig abgebrochen. Wie haben Sie das erlebt?

Christophersen: „Das war am Anfang schon surreal. Wir haben am 8. März vor über 9.000 Zuschauern gegen Göppingen gespielt und fünf Tage später waren wir in Kurzarbeit. Die Dynamik der ersten Tage war sehr hoch und die Ereignisse überschlugen sich nahezu stündlich. Seitdem hat sich das Aufgabengebiet deutlich verschoben und man spielt auf Themenfeldern, die man sich vermutlich vor wenigen Monaten nicht hätte vorstellen können. Wir verstehen diese Zeit aber als Herausforderung, die wir annehmen wollen, um mit aller Kraft wieder den Weg in die Normalität zurückzuschaffen.“

RECKEN-Bote: Die Liga hat den Neustart auf den 1. Oktober terminiert. Gibt das Sicherheit?

Christophersen: „Das ist erstmal eine feste Zielgröße, an der wir uns orientieren können. Wir können unseren Trainingsbetrieb und die Vorbereitung jetzt nach einem konkreten Datum ausrichten. Es liegt aber nicht nur an uns, dass das so auch eingehalten wird, sondern wir sind von Dritten wie beispielsweise der Politik abhängig. Es sind noch ganz viele Fragen offen und wir als Verein aber insbesondere die Mannschaft möchte darauf Antworten haben. Es kommt aber insgesamt Bewegung in die Sache und das ist gut.“

RECKEN-Bote: Mit Timo Kastening, Morten Olsen und Mait Patrail verlassen zentrale Spieler den RECKEN-Kader. Wie wollen Sie die Abgänge auffangen?

Christophersen: „Es ist richtig, dass uns im zweiten Jahr in Folge einige Spieler verlassen, die die erste RECKEN-Dekade in der stärksten Liga der Welt nachhaltig geprägt haben. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind auch bei uns deutlich spürbar, so dass eine Planstelle im Kader wegfallen wird. Wir werden unseren Altersschnitt nochmal senken und die jüngeren Spieler werden mehr Minuten bekommen und dadurch stärker in die Verantwortung genommen.

RECKEN-Bote: Wie schätzen Sie den Kader für die kommende Saison ein?

Christophersen: Ich denke, dass wir insgesamt eine gute Mischung beisammenhaben. Mit Johan Hansen bekommen wir einen Rechtsaußen dazu, dem in der dänischen Nationalmannschaft zusammen mit dem Leipziger Patrick Wiesmach die Zukunft gehört. Er ist ein völlig anderer Spielertyp als Timo Kastening, aber sprunggewaltig und sehr wurfstark. Zudem ist er ein sicherer Siebenmeterschütze. Klar ist aber auch, dass er Timo als Identifikationsfigur nicht direkt ersetzen kann. In Filip Kuzmanovski gewinnen wir einen Spieler, der sowohl in der Abwehr als auch im Angriff flexibel einsetzbar ist. Er gibt uns eine breite Range an Möglichkeiten, so dass wir in Phasen des Spiels auf einen Spezialistenwechsel verzichten können. Davon erhoffe ich mir, dass wir mehr Tore über den Schnellangriff erzielen werden.“

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