TSV Hannover-Burgdorf punktet beim Meister in Berlin

Bei den Füchsen Berlin muss sich die TSV Hannover-Burgdorf nach einem Halbzeitstand von 15:11 mit einem 30:30-Unentschieden zufriedengeben. Leif Tissier war mit sieben Toren und fünf Assists sowohl bester Torschütze als auch bester Vorlagengeber der RECKEN und ging gegen den deutschen Meister voran. Torhüter Joel Birlehm zeigte eine herausragende erste Halbzeit, konnte im zweiten Durchgang jedoch nicht mehr an diese Leistung anknüpfen. Dafür war in der Schlussphase auf Simon Gade Verlass. Für Hannes Feise, der in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen wird, rückte mit Bendix Dietzsch ein vielversprechender Linksaußen aus der erfolgreichen U19-Mannschaft der RECKEN-Schmiede in den Kader. Bereits in der Hinrunde dieser Spielzeit gegen die SG Flensburg-Handewitt hatte er sein Profidebüt gefeiert.

Die Begegnung begann aus Sicht der RECKEN zunächst nicht nach dem Geschmack von Cheftrainer Juan Carlos Pastor. Sowohl der erste als auch der zweite Angriff seiner Mannschaft blieben ohne Torerfolg. Stattdessen musste der spanische Trainer mit ansehen, wie Tim Freihöfer nach 2:24 Minuten per Siebenmeter zum frühen 0:2 aus Sicht der Niedersachsen traf. Doch keine zwei Minuten später konnte Renars Uscins zum 2:2 ausgleichen. Anschließend gelang es den Hauptstädtern, sich durch Lasse Andersson beim 2:4 nach 5:27 Minuten erneut auf zwei Treffer abzusetzen. Großen Anteil an der Berliner Führung hatte Torhüter Lasse Ludwig, der beim 3:6 aus RECKEN-Sicht durch Mijajlo Marsenic nach 12:10 Minuten bereits sieben Paraden verzeichnete. Insgesamt kam er im ersten Durchgang auf acht Paraden bei einer Quote von 36 Prozent. Danach jedoch zeigte TSV-Schlussmann Joel Birlehm seine Klasse und parierte Wurf um Wurf, darunter auch zahlreiche freie Abschlüsse. Birlehm und eine hervorragend eingestellte Abwehr waren die Grundlage dafür, dass die TSV Hannover-Burgdorf in der folgenden Phase einen fulminanten 7:0-Lauf hinlegte und durch Uscins beim 10:6 die Max-Schmeling-Halle zum Schweigen brachte. Neben dem Rückraumrechten trafen in dieser Phase zweimal Tissier und Jonathan Edvardsson sowie jeweils einmal Kapitän Marius Steinhauser und August Pedersen. Der Angriff der RECKEN lief nahezu perfekt, während die erstaunlich vielen technischen Fehler des Champions-League-Halbfinalisten konsequent in Tore umgemünzt wurden. Erst nach 20:51 Minuten konnte Kreisläufer Marsenic die Berliner Torflaute beim 10:7 beenden. Doch die Niedersachsen stellten kurze Zeit später nach einem Ballgewinn von Steinhauser im Rückzug, der über die gesamte Partie hinweg sehr gut funktionierte, durch Pedersen per Siebenmeter einen Fünf-Tore-Vorsprung zum 12:7 nach 22:23 Minuten her. Bis zum 15:10 durch Thomas Solstad, eine Minute und sieben Sekunden vor der Halbzeit, pendelte die Führung der RECKEN zwischen drei und vier Treffern. Den Berlinern gelang es jedoch, knapp eine halbe Minute später auf den Halbzeitstand von 15:11 zu verkürzen.

Aus Sicht der Mannschaft aus der niedersächsischen Landeshauptstadt verlief der Start in den zweiten Durchgang äußerst unglücklich: Bereits nach 6:26 Minuten musste man durch den per Siebenmeter erfolgreichen Freihöfer beim 16:16 den Ausgleich hinnehmen. Den einzigen Treffer der RECKEN in dieser Phase hatte zuvor Pedersen erzielt. Das Trainerteam stellte bereits nach knapp fünf Minuten auf das Sieben-gegen-Sechs-Überzahlspiel um und agierte fortan über die gesamte restliche Spielzeit hinweg mit Fischer und Solstad am Kreis. Dennoch scheiterte die TSV Hannover-Burgdorf zunächst immer wieder am starken Ludwig, der am Ende auf insgesamt 17 Paraden bei einer Quote von 37 Prozent kam. Zwar gelang es den Niedersachsen nach dem 16:16 durch Fischer beim 17:16 nach ziemlich genau 37 Minuten sowie beim 18:17 nach ziemlich genau 38 Minuten nochmals in Führung zu gehen, doch kurze Zeit später lag die hannoversche Mannschaft beim 18:19 durch Tobias Grøndahl, der per Siebenmeter erfolgreich war, nach 42 Minuten wieder zurück. Zuvor hatte sich der nur für diesen Strafwurf eingewechselte Gade ausgezeichnet, als er nach 38:30 Minuten einen Siebenmeter von Freihöfer parierte. Die Berliner, die sich nicht ohne Grund deutscher Meister nennen dürfen, konnten sich anschließend sogar auf zwei Tore absetzen. Vorerst letztmals gelang dies beim 19:21 durch Rechtsaußen Hakun West av Teigum nach 43:51 Minuten. Doch ein anschließender 2:0-Lauf der RECKEN brachte den erneuten Ausgleich. Steinhauser traf ziemlich genau zur Mitte der zweiten Halbzeit zum 21:21. Nachdem Matthes Langhoff in der folgenden Spielphase ins leere Tor getroffen hatte, betrug der Rückstand der RECKEN nach 48:47 Minuten drei Tore. Pastor reagierte umgehend mit seiner letzten Auszeit und sah, wie diese Wirkung zeigte. Der überragende Tissier war es, der nach 52:23 Minuten zum 26:26 ausglich. Der kurz zuvor nach knapp 50 Minuten eingewechselte Gade, nachdem Birlehm im zweiten Durchgang keinen Ball mehr halten konnte, parierte anschließend einen freien Wurf von West av Teigum. Im direkten Gegenzug brachte Tissier seine Mannschaft nach 53:54 Minuten mit 27:26 wieder in Führung. So viel sei verraten: In Rückstand sollte die TSV Hannover-Burgdorf anschließend nicht mehr geraten. Bis zum Ende entwickelte sich ein echter Schlussphasenkrimi, in dem die RECKEN zwar immer wieder vorlegten, die Füchse jedoch stets ausgleichen konnten. Nachdem Nils Lichtlein nach 58:09 Minuten zum 30:30 getroffen hatte und insbesondere in der entscheidenden Schlussphase seine Mannschaft anführte, drohten sich die Niedersachsen beinahe um den verdienten Lohn zu bringen. Ein Fehlpass sorgte dafür, dass die Berliner in der Schlussminute noch einmal in Ballbesitz kamen. Doch trotz einer Auszeit gelang es Welthandballer Mathias Gidsel, der die Partie mit neun Treffern als bester Werfer beendete, nicht, den Ball gegen Gade im Tor unterzubringen. Der dänische Schlussmann setzte mit vier Paraden bei zehn Würfen in der Schlussphase seinen entscheidenden Stempel auf die Partie und sorgte dafür, dass die RECKEN sogar noch die Chance auf den Siegtreffer erhielten. Doch Uscins konnte den letzten Wurf nicht im Berliner Tor unterbringen, sodass die Begegnung letztlich mit 30:30 endete.

„Das Spiel war sehr hart. Zu Beginn waren wir etwas nervös, aber dann haben wir unseren Rhythmus gefunden und besonders in der ersten Halbzeit fantastisch gespielt. Wir haben das Spiel mit unseren beiden Spielmachern kontrolliert, hatten das Tempo, um ins Laufen zu kommen und konnten unser Angriffsspiel gut aufziehen. Zur Halbzeit haben wir mit vier Toren geführt. In der zweiten Halbzeit wussten wir, dass Berlin mit viel Druck zurückkommen würde und sie haben dann auch besser gespielt. Gleichzeitig hatten wir Probleme in der Abwehr und konnten unsere Leistung dort nicht mehr halten. Trotzdem sind wir auch nach schwierigen Phasen zurückgekommen und hatten die Möglichkeit, das Spiel auf unsere Seite zu ziehen. Glückwunsch an meine Mannschaft. Die Spieler haben bis zum Ende gekämpft. Jeder hat der Mannschaft geholfen. Ich denke, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gegen eine Mannschaft wie den Meister in dieser Liga so zu kämpfen und mitzuhalten, macht mich sehr glücklich. Nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch wegen des Weges, den wir als Mannschaft gehen. Wir arbeiten an vielen Dingen und sehen, dass wir uns weiterentwickeln können. Das ist auch mit Blick auf die Zukunft sehr positiv“, äußert sich Cheftrainer Pastor im Anschluss an die Begegnung des 32. Spieltags.

DIE RECKEN: Simon Gade, Joel Birlehm, Leif Tissier (7), Vilhelm Poulsen, Renars Uscins (5), August Pedersen (5), Marius Steinhauser (3), Bendix Dietzsch, Jonathan Edvardsson (2), Sindre Aho, Lukas Stutzke, Thomas Solstad (2), Justus Fischer (5), Daniel Weber (1), Luis Rodriguez, Fabrice Wolf

Nachdem die TSV Hannover-Burgdorf am Mittwoch, den 3. Juni, bei den Rhein-Neckar Löwen ihr letztes Auswärtsspiel der laufenden Saison bestreitet, steht zum abschließenden Heimspiel zugleich das letzte Saisonspiel in der RECKEN-Festung an. Zu Gast ist die MT Melsungen. Anwurf der Partie ist am Sonntag, den 7. Juni, um 15 Uhr. Tickets für dieses Spiel können im Online-Ticketshop, über die Ticket-Hotline (01806 70 77 70), in der Geschäftsstelle (Expo Plaza 7, 30539 Hannover) sowie an ausgewählten Vorkaufsstellen gesichert werden.