RECKEN bleiben nach Aufholjagd ohne Happy End

Im Achtelfinale des DHB-Pokals scheiden die RECKEN nach doppelter Verlängerung mit 38:40 beim Bergischen HC aus. Nach einem 12:15-Rückstand zur Halbzeit in der regulären Spielzeit kämpften sich die Niedersachsen trotz eines zwischenzeitlichen Fünf-Tore-Rückstands noch auf ein 28:28 zurück und in die Verlängerung. Auch nach der ersten Verlängerung stand es noch 33:33, bevor die Mannschaft von Christian Prokop letztlich mit zwei Toren Differenz verlor.

Im Vergleich zum letzten Bundesligaspiel gegen den SC Magdeburg startete die Partie torfreudiger. Nach zunächst zwei Rückständen gelang es Kapitän Marius Steinhauser beim 3:2 nach 4:30 Minuten die erste Führung zu werfen. Auch August Pedersen traf keine zwei Minuten später per Siebenmeter zum 4:3. Es sollte allerdings die letzte Führung der Hannoveraner im ersten Durchgang bleiben. In der Folge lief im Angriff wenig zusammen, während BHC-Keeper Lukas Diedrich zunehmend zur Schlüsselfigur avancierte. Mit mehreren Paraden legte er den Grundstein für einen 3:0-Lauf der Gastgeber, den Johannes Wasielewski nach knapp elf Minuten zum 4:6 vollendete. RECKEN-Trainer Prokop reagierte beim Stand von 5:8 nach ziemlich genau 13 gespielten Minuten mit seiner ersten Auszeit und brachte anschließend Simon Gade ins Tor. Doch der Bergische HC blieb effizient: Aron Seesing erhöhte drei Minuten nach der Auszeit auf 6:10, während Pedersen kurz zuvor vom Siebenmeterpunkt an Christopher Rudeck gescheitert war. Pedersen selbst brachte sein Team allerdings nach 19:09 Minuten wieder auf 9:10 heran. Wenig später sorgte eine Schlüsselszene für Aufregung: Nach Videobeweis sah RECKEN-Abwehrchef Lukas Stutzke bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte die Rote Karte, nachdem er Wasielewski beim Wurf am Arm getroffen hatte. Die Gastgeber verteidigten in der Folge mit einer offensiven 5:1-Formation, angeführt von Eloy Morante Maldonado auf der Spitze und stellten die RECKEN damit immer wieder vor Probleme. Besonders treffsicher zeigte sich Julian Fuchs, der beim 10:14 fünf Minuten vor der Halbzeit einen seiner sieben Treffer aus sieben Versuchen erzielte. In der Schlussphase der ersten Halbzeit sorgte Vilhelm Poulsen dafür, dass die TSV den Anschluss nicht verlor. Der Färinger markierte die letzten drei Treffer im Zeitspiel seiner Mannschaft und verkürzte kurz vor der Pause auf 12:15.

Die zweite Halbzeit hätte für die RECKEN kaum besser beginnen können: Steinhauser und Poulsen sorgten mit zwei frühen Treffern für neue Hoffnung und auch defensiv zeigte die TSV Hannover-Burgdorf nun deutlich mehr Präsenz. Durch eine engagierte Abwehrarbeit zwangen die Niedersachsen den Bergischen HC zu mehreren technischen Fehlern – der Ausgleich zum 15:15 schien bereits greifbar. Doch BHC-Schlussmann Diedrich hatte etwas dagegen: Mit einer starken Doppelparade gegen Poulsen und Pedersen verhinderte er den Ausgleich und brachte die Wuppertaler Unihalle erneut zum Kochen. Insgesamt entschieden die Gastgeber das Torhüterduell klar für sich: Diedrich und Rudeck kamen gemeinsam auf 19 Paraden, während Gade und Birlehm auf Seiten der RECKEN nur neun entschärfte Bälle verbuchen konnten. Angetrieben von ihrem Publikum bauten die Bergischen Löwen ihren Vorsprung weiter aus und führten nach 37 Minuten durch Morante Maldonado beim 15:20 bereits mit fünf Treffern. Aber die TSV Hannover-Burgdorf zeigte das, was sie in der letzten Saison so stark gemacht hatte: Kampfgeist und den Willen, einen solchen Rückstand noch aufzuholen. Und sie wurden belohnt: Durch einen nun stärker werdenden Gade im Tor stellte Renars Uscins mit einem Gewaltwurf aus der zweiten Reihe nach 44 Minuten beim 22:22 wieder den Ausgleich her. Kurz darauf brachte Pedersen seine Mannschaft beim 23:22 (45:11 Minute) erstmals wieder in Führung. Als Uscins keine drei Minuten später zum 24:23 traf und Gade anschließend einen weiteren BHC-Angriff parierte, schien das Momentum endgültig auf Seiten der Niedersachsen zu kippen. Doch ein unglücklicher Fehlpass in der Abwehr ermöglichte Nico Schöttle seinen einzigen Treffer des Abends zum 24:24 (47:50 Minute). Der Zweitligameister der Vorsaison nutzte diesen Moment, um das Spiel erneut zu drehen, und lag beim 24:26 aus RECKEN-Sicht sieben Minuten vor Ende der regulären Spielzeit wieder vorn. In der Schlussphase setzte Prokop im Angriff immer wieder auf den siebten Feldspieler. Justus Fischer traf eine Minute vor Ablauf der regulären Spielzeit zum 28:28-Ausgleich und rettete seine Mannschaft in die Verlängerung.

In der ersten Halbzeit der zweimal fünfminütigen Verlängerung übernahm Sindre Aho die Verantwortung und führte seine Mannschaft mit drei wichtigen Treffern an. Der Norweger traf zunächst zum 29:29-Ausgleich, anschließend zum 30:30 und schließlich nach 64:43 Minuten zur erneuten RECKEN-Führung beim 31:30 – gleichzeitig der Zwischenstand nach den ersten fünf Minuten der Verlängerung. Bitter war allerdings die Zeitstrafe für Jonathan Edvardsson unmittelbar nach Ahos letztem Treffer: Der Rückraumspieler soll nach Ansicht der Schiedsrichter einen schnellen Anwurf des Bergischen HC verhindert haben.

Trotz Unterzahl starteten die RECKEN zunächst gut in die zweite Hälfte der ersten Verlängerung. Pedersen erhöhte nur 30 Sekunden nach Wiederanpfiff auf 32:30, ehe Uscins nach 67:21 Minuten den Zwei-Tore-Vorsprung beim 33:31 wiederherstellte. Zuvor war Steinhauser mit einem Siebenmeter an Rudeck gescheitert (66:26 Minute). Der Bergische HC ließ jedoch nicht locker: Noah Beyer, mit insgesamt zehn Treffern bester Schütze der Partie, verpasste den Anschluss nur knapp, als sein Dreher neben das Tor von Gade ging. Eine Minute und zehn Sekunden vor dem Ende der Verlängerung bewahrte BHC-Keeper Diedrich seine Mannschaft mit einer starken Parade vor einem weiteren Rückstand. Im direkten Gegenzug verkürzte Wasielewski 50 Sekunden vor Schluss auf 33:32. Die Gastgeber stellten auf Manndeckung um, zwang die TSV Hannover-Burgdorf ins Zeitspiel und zu einen Fehlwurf. Sören Steinhaus nutzte letztendlich die letzte Gelegenheit: Zwei Sekunden vor Ablauf der Verlängerung erzielte er den 33:33-Ausgleich. Damit ging dieses nervenaufreibende Pokalduell in eine zweite Verlängerung.

Auch in der zweiten Verlängerung erwischten die RECKEN den besseren Start: Uscins brachte seine Mannschaft nach 70:47 Minuten mit dem Treffer zum 34:33 erneut in Führung – leider sollte es aus Sicht der Niedersachsen die letzte des Abends bleiben. Ein entscheidender Moment folgte wenig später:  Nach einem Foul an Seesing musste Fischer nach 72:45 Minuten für zwei Minuten auf die Bank. Den fälligen Siebenmeter verwandelte der treffsichere Noah Beyer gewohnt souverän, wie alle seine sieben Versuche vom Strich, zum 34:35. Kurz darauf erhöhte Julian Fuchs noch vor Ende der ersten Hälfte der zweiten Verlängerung auf 34:36.

In den letzten fünf Minuten spielte der Gastgeber seine Führung routiniert herunter, trotz des erneuten VAR-Checks in der 76. Minute, bei dem die Schiedsrichter die Rote Karte gegen Gerdas Babarskas verhängten, der ähnlich wie Stutzke zu Beginn seinen Gegenspieler, in diesem Fall Uscins, im Wurf zu Fall brachte. Zwar gelang August Pedersen eine Minute vor Schluss noch einmal der Anschlusstreffer zum 38:39, doch dieser kam leider zu spät. Mit dem Endstand von 38:40 musste sich die TSV Hannover-Burgdorf nach großem Kampf und doppelter Verlängerung in Wuppertal geschlagen geben.

In der anschließenden Pressekonferenz äußert sich Prokop wie folgt: „Herzlichen Glückwunsch an den BHC zum Erreichen des Viertelfinales. Das war ebenfalls unser großes Ziel, dass wir in dem Wettbewerb die nächste Runde schaffen. Wir wussten, dass ein Erstligist auswärts keineswegs leicht wird. Der BHC hat sich über die Bundesliga-Saison hinweg jetzt verbessert. Das Abwehrspiel ist sehr aggressiv, sehr verdichtend. Und da hatten wir dolle dran zu knabbern, gerade mit Lukas Diedrich dahinter Tore zu machen. Ich finde, dass wir nach einer schwächeren ersten Halbzeit uns verbessert aus der Kabine zeigen, in der Abwehr deutlich stärker sind, im Tempospiel Akzente setzen und vor allen Dingen auch Durchschlagskraft gegen die 5:1-Deckung entwickeln. Sind dann leider nicht kaltschnäuzig genug, haben drei Bälle hintereinander von Linksaußen, die wir liegen lassen, um es gar nicht soweit kommen zu lassen. Dann kommt es in die Verlängerung und wir haben in der zweiten Halbzeit der ersten Verlängerung, glaub ich, das Momentum auf unserer Seite mit zwei Toren plus und einem Siebenmeter, der von Rudeck gehalten wird. Es ist sehr schade, weil die Mannschaft gefightet hat, trotzdem müssen wir uns in Zukunft ganz anders vor dem gegnerischen Tor präsentieren.“

DIE RECKEN: Simon Gade (1), Joel Birlehm, Vilhem Poulsen (4), Renars Uscins (7), Maxim Orlov (1), August Pedersen (9), Marius Steinhauser (4), Marian Michalczik, Jonathan Edvardsson (4), Sindre Aho (4), Lukas Stutzke, Thomas Solstad, Justus Fischer (4), Hannes Feise, Daniel Weber, Luis Rodriguez

Bereits am Sonntag steht für die RECKEN die nächste Herausforderung auf dem Programm: Auswärts trifft das Team in der Daikin Handball-Bundesliga auf den TBV Lemgo Lippe. Nur zwei Tage später, am Dienstag, den 11. November, um 20:45 Uhr, kehren die RECKEN auf hannoverschen Boden zurück. Im Rahmen der EHF European League kommt es dann zum Aufeinandertreffen mit der schwedischen Mannschaft IK Sävehof in der Swiss Life Hall.

Tickets für diese Begegnung sowie alle weiteren Heimspiele in der Handball-Bundesliga und in der EHF European League sind bequem über den Online-Ticketshop, die Ticket-Hotline (01806 70 77 70), in der Geschäftsstelle (Expo Plaza 7, 30539 Hannover) sowie an ausgewählten Vorkaufsstellen erhältlich.