Die TSV Hannover-Burgdorf musste sich in einer spannenden Begegnung dem TVB Stuttgart, nach einem Halbzeitrückstand von 14:18, mit 34:35 geschlagen geben. Zwar verfügten die RECKEN mit Marian Michalczik über einen starken Spielmacher, der mit acht Assists überzeugte und insbesondere den im Angriff glänzend aufgelegten Justus Fischer, der acht Tore aus acht Versuchen erzielte, immer wieder gekonnt in Szene setzte. Dennoch fand die Defensive über weite Strecken keinen Zugriff auf das Spiel. Bester Werfer der Mannschaft aus der niedersächsischen Landeshauptstadt war Renars Uscins mit neun Treffern. Die meisten Tore der Partie erzielte jedoch der ehemalige RECKE Kai Häfner auf Seiten der Stuttgarter, der mit elf Treffern die meisten Tore der Begegnung des 22. Spieltags sammelte.
Im ersten Angriff des TVB Stuttgart und damit der gesamten Begegnung fand die TSV Hannover-Burgdorf zunächst das passende Mittel gegen das offensive Spiel der Schwaben, die über die gesamte Spielzeit mit vier Rückraumspielern und ohne Kreisläufer in Gleichzahl agierten. So konnte TSV-Torhüter Joel Birlehm nach ziemlich genau eineinhalb Minuten den ersten Ball parieren. Im Gegenzug verwandelte August Pedersen einen Siebenmeter nach 1:54 Minuten zur 1:0-Führung. Es sollte jedoch vorerst die einzige Führung der Hannoveraner bleiben. Nach 4:34 Minuten musste die TSV beim 1:2 durch Simone Mengon erstmals einen Rückstand hinnehmen. In der Folge fand die Abwehr der RECKEN kaum noch wirksame Mittel gegen das variable Angriffsspiel des TVB. Zwar gelang es den Niedersachsen zunächst, einen Ein-Tore-Rückstand immer wieder auszugleichen. Nach 10:07 Minuten erzielte Pedersen, begünstigt durch einen vorherigen Ballbesitzwechsel infolge einer Gelben Karte gegen die Stuttgarter Bank, die 5:4-Führung. Beim Stand von 5:5 vergab Uscins jedoch eine Wurfchance, wodurch die Baden-Württemberger die Möglichkeit erhielten, das Spiel erneut an sich zu reißen. Joel Birlehm verhinderte dies mit zwei starken Paraden innerhalb von 48 Sekunden im selben Stuttgarter Angriff. Im direkten Gegenzug griffen die Schiedsrichter auf den Videobeweis zurück und verhängten gegen Marco Mengon seine zweite Zwei-Minuten-Strafe. Der italienische Winterneuzugang hatte Leif Tissier im Gesicht getroffen. In Überzahl behaupteten zunächst Fischer mit dem Treffer zum 6:5 in der 13:31 Minute sowie Marius Steinhauser mit dem 7:6 in der 14:13 Minute die Führung. Anschließend steigerte sich jedoch Mateusz Kornecki zunehmend im Tor der „Wild Boys“. Nach einer Parade leitete er den Gegenangriff ein, den Patrick Zieker in der 16:01 Minute zum 7:8 abschloss. Zwei technische Fehler im Angriff der RECKEN führten wenig später dazu, dass der Rückstand nach 17:40 Minuten auf 7:10 anwuchs. Trainer Juan Carlos Pastor nahm daraufhin eine Auszeit, um das Spiel zu beruhigen. Trotz einer Zeitstrafe gegen Fischer gelang es Jonathan Edvardsson nach einem zwischenzeitlichen Doppelpack von Uscins, beim Stand von 10:10 nach ziemlich genau 20 Minuten auszugleichen. Eine erneute Führung sollte dem Team um Kapitän Steinhauser jedoch nicht mehr gelingen. Die Stuttgarter legten stets ein Tor vor, während die Niedersachsen zwar mehrfach ausgleichen konnten, jedoch nicht mehr in Führung gingen. In der Schlussphase der ersten Halbzeit parierte Kornecki zudem zwei Würfe des am Dienstag noch treffsicheren Thomas Solstad. Auch bedingt durch diese beiden Paraden, setzte sich der TVB Stuttgart nach dem 14:14-Zwischenstand bis zur Pause mit einem 4:0-Lauf ab, sodass es mit 14:18 in die Halbzeit ging.
Zwar erzielte Uscins den ersten Treffer des zweiten Durchgangs, doch bereits nach nicht einmal drei gespielten Minuten musste die TSV Hannover-Burgdorf durch Torben Matzken beim 15:20 erstmals in dieser Begegnung einen Fünf-Tore-Rückstand hinnehmen. Die Stuttgarter nutzten diese Phase konsequent aus, da die hannoversche Abwehr wiederholt keinen Zugriff fand und bauten ihren Vorsprung erneut durch Matzken nach knapp 40 Minuten beim 20:25 letztmals auf fünf Tore aus. Zwischenzeitlich markierte Tissier mit seinem Treffer zum 18:22 sein 500. Tor in der Handball-Bundesliga. Die Hannoveraner steigerten sich jedoch in der Folge: Der zur Halbzeit eingewechselte Simon Gade steuerte nun auch seine erste Parade bei. Auch begünstigt durch einen technischen Fehler von Max Häfner verkürzte Steinhauser nach 42:09 Minuten auf 22:25. Nachdem der im Angriff kaum zu stoppende Fischer in der 43:18 Minute das 23:26 erzielt hatte, war die Partie für Gade jedoch (vorerst) beendet. S. Mengon traf ihn am Kopf, wurde beim Wurf allerdings gefoult. Nachdem sein Zwillingsbruder M. Mengon getroffen hatte, verkürzte Uscins in der 46:14 Minute auf 25:27. Nach einer Parade von Birlehm stellte Fischer knapp eine Minute später den 26:27-Anschluss her und zog dabei eine Zeitstrafe gegen M. Mengon, der folgerichtig mit seiner dritten Hinausstellung des Feldes verwiesen wurde. Insgesamt mussten sich die beiden Torhüter Birlehm am Ende mit 21 % gehaltener Bälle und Gade mit 18 % gehaltener Bälle dem Stuttgarter Kornecki mit 24 % im Torwartduell knapp geschlagen geben. Die Überzahl konnten die RECKEN jedoch nicht entscheidend nutzen. Nach Ablauf der zwei Minuten lag die Mannschaft aus der niedersächsischen Landeshauptstadt mit 27:29 zurück. In der Schlussphase erhöhte K. Häfner, der insgesamt sechs von sechs Siebenmetern verwandelte und davon drei in den letzten zehn Minuten des Spiels, in der 55:16 Minute per Siebenmeter auf 30:33. Trainer Pastor reagierte unmittelbar mit einer Auszeit und stellte anschließend auf sieben Feldspieler um. Diese Maßnahme zeigte Wirkung: Nach einem Offensivfoul von Matzken und einem starken Ballgewinn von Uscins in der Defensive glich Tissier in der 57:41 Minute zum 33:33 aus und stellte die Partie wieder auf Anfang. Im dramatischen Schlussspurt egalisierte Michalczik das zwischenzeitliche 33:34 zum 34:34, bei noch 1:04 Minuten auf der Uhr. Die Stuttgarter agierten in der entscheidenden Phase abgeklärt, nahmen erneut eine Auszeit und erzielten sieben Sekunden vor dem Ende durch Zieker den Treffer zum 34:35-Endstand. In den verbleibenden Sekunden gelang es den RECKEN nicht mehr, den Ausgleich zu erzielen. Auch Michalczik, der nach Ablauf der Spielzeit noch einen direkten Freiwurf zugesprochen bekam, konnte den Ball nicht mehr im Tor unterbringen.
„Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen. Vor allem in den Zweikämpfen hatten wir große Probleme und sind nicht so gestartet, wie wir uns das vorgenommen hatten. In der zweiten Halbzeit war es deutlich besser. Wir haben weniger Fehler gemacht und Fortschritte gesehen. Wenn wir am Ende noch konsequenter spielen, können wir ein solches Spiel auch gewinnen. Für uns ist das ein Lernprozess. In diesen engen Begegnungen müssen wir verstehen, auf welche Art und Weise wir gewinnen wollen. Wir müssen von Beginn an besser in die Partie finden, sowohl in der Defensive als auch im Tempospiel. Es gab Phasen, in denen wir sehr gute Dinge gezeigt haben, aber wir verbinden diese noch zu häufig mit schwächeren Momenten. Daran müssen wir weiter arbeiten und den nächsten Schritt machen“, analysiert Juan Carlos Pastor im Anschluss an die Begegnung.
DIE RECKEN: Simon Gade, Joel Birlehm, Leif Tissier (5), Vilhelm Poulsen, Renars Uscins (9), August Pedersen (5), Marius Steinhauser (3), Marian Michalczik (3), Jonathan Edvardsson (1), Sindre Aho, Thomas Solstad, Justus Fischer (8), Hannes Feise, Daniel Weber, Fabrice-Joel Wolf
Zum nächsten Heimspiel empfängt die TSV Hannover-Burgdorf am kommenden Sonntag, den 1. März, um 16:30 Uhr in der stärksten Liga der Welt, Frisch Auf! Göppingen. Das nächste Heimspiel in der European League findet am Dienstag, den 3. März, um 20:45 Uhr gegen die Kadetten Schaffhausen statt. Tickets für diese Spiele sowie für alle weiteren Begegnungen der zweiten Saisonhälfte können im Online-Ticketshop, über die Ticket-Hotline (01806 70 77 70), in der Geschäftsstelle (Expo Plaza 7, 30539 Hannover) sowie an ausgewählten Vorkaufsstellen gesichert werden.