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Kopfverletzungen im Sport – Was tun?

Jens Bürkle bei Podiumsdiskussion im BG Klinikum Hamburg

Gehirnerschütterungen in Kontakt- und Teamsportarten nehmen seit Jahren zu, so wie auch die Anzahl an Sportlern, die nach wiederholten Gehirnerschütterungen ihre Karriere beenden müssen. Für Sportler und Verantwortliche ist es daher wichtig zu wissen, wie sie mit diesem Thema umgehen sollen und was sie im Fall der Fälle tun können.

Die Veranstaltung „Hart getroffen – Gehirnerschütterungen im Sport“, informierte am 05.10.2016 im Haus des Sports Hamburg über Risiken, Behandlungsmöglichkeiten und Prävention von Gehirnerschütterungen. Über 100 Interessierte aus der Hamburger Sportwelt folgten der gemeinsamen Einladung des Concussion Centers am BG Klinikum Hamburg und der Initiative der Hannelore Kohl Stiftung „Schütz Deinen Kopf“. Vertreter der Sportarten Fußball, Football, Rugby, Handball, Boxen, Kampfsport, Hockey und Eishockey waren vor Ort, darunter die Vereine St. Pauli und HSV.  

Dr. Andreas Gonschorek, Neurologe und Chefarzt am BG Klinikum Hamburg, gab eine Einführung ins Thema und beleuchtete bekannte Beispiele aus der Sportwelt. Betroffene Sportler, Sportmediziner, Trainer und Verantwortliche sprachen bei einem Podiumstalk über ihre Erfahrungen und diskutierten über Handlungsrichtlinien für die Praxis, sowie Vorsorgemöglichkeiten.

Darunter der Olympische Bronzemedaillengewinner im Boxen Artem Harutyunyan, Sportdirektor des Hamburger Boxverbandes Christian Morales, Mannschaftsarzt von AS Roma Helge Riepenhof, Eishockeyspieler Philipp Winter und Handballtrainer des TSV Hannover-Burgdorf Jens Bürkle. Die Feldhockeyspielerin und Olympionikin Charlotte Stapenhorst musste aus Krankheitsgründen leider absagen.

„Ich hoffe, dass das Thema Gehirnerschütterungen im Sport in den nächsten Jahren mehr Gewichtung findet. Es gibt viele sportmedizinische Untersuchungen für Spieler wie den Kardiocheck, die mittlerweile zum Standard gehören, jedoch noch keine reguläre Diagnostik für Kopfverletzungen. Diese machten im Jahr 2015 einen nicht unerheblichen Anteil der Verletzungen im Handball aus. Angesichts dieser Tatsache, muss man sich fragen, ob man bereits genügend getan hat, um die Sportler zu schützen“, sagte der Trainer von TSV Hannover-Burgdorf Jens Bürkle.

Dr. Andreas Gonschorek forderte ein Umdenken: „Es ist keine Heldentat nach einer Gehirnerschütterung sofort wieder zu spielen. Damit hilft man langfristig weder seinem Team noch der eigenen Gesundheit. Bei Verdacht auf Gehirnerschütterung sollten die Betroffenen eine sofortige Sportpause einlegen und einen Spezialisten aufsuchen. Besser man verpasst ein Spiel, als die ganze Saison.“

Das Fazit des Abends lautete: Gehirnerschütterungen zu ignorieren oder zu verharmlosen kann gravierende langfristige und unumkehrbare Folgen haben. Es gibt genug Gründe, die Anzeichen einer Gehirnerschütterung ernst zu nehmen. Man sollte Spieler und Verantwortliche schützen indem man klare Richtlinien für den Umgang mit Gehirnerschütterungen einführt.

Präventiv und als Grundlage können die Athletinnen und Athleten vor Saisonbeginn, parallel zur regulären Leistungsdiagnostik, eine Neuropsychologische Baseline-Untersuchung machen, wie sie zum Beispiel am Concussion Center des BG Klinikums Hamburg angeboten wird.

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