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„Für unsere Ansprüche zu wenig“

RECKEN nach Unentschieden gegen Lemgo nicht zufrieden

Die TSV Hannover-Burgdorf hat sich vom TBV Lemgo Lippe mit 27:27 (13:13) Unentschieden getrennt. Damit verpassten es DIE RECKEN, dem aktuell Neuntplatzierten in der Tabelle näher zu kommen. „Wenn man die letzte Szene isoliert betrachtet, müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein. Für unsere Ansprüche insgesamt ist es aber zu wenig“, bilanzierte der sportliche Leiter Sven-Sören Christophersen.

Es war eine Willensleistung, als Kapitän Kai Häfner in der zehnten Minute des Spiels einen Siebenmeter für seine Mannschaft herausholte. Der Rückraumshooter stieg ausnahmsweise mal nicht auf 10 Metern hoch, um den Ball mit aller Wucht auf das gegnerische Tor zu hämmern. Vielmehr brach er durch, an allen Abwehrspielern des TBV Lemgo-Lippe vorbei, bis einer von ihnen verbotenerweise im Kreis stand. Timo Kastening musste diesen Strafwurf eigentlich nur verwandeln. Doch mit Peter Johannesson hatten die Gäste einen hervorragenden Torwart in ihren Reihen, der den Wurf von Kastening prompt parierte.

Es war sinnbildlich für diese ersten zehn Minuten des Spiels, in denen ganze zwei Tore vielen. 1:1 stand es da, vor allem aufgrund der hervorragend aufgelegten Torhüter auf beiden Seiten, die immer wieder auf ihrem Posten waren. „In der ersten Halbzeit habe ich zwei sehr dominante Abwehrreihen gesehen“, sagte Gästetrainer Florian Kehrmann im Anschluss an die Partie. „Wir hatten Probleme im Angriff, das hat sich über das gesamte Spiel so durchgezogen“, gestand RECKEN-Trainer Carlos Ortega ein.

Mit Ausnahmen der Tore, war in der Anfangsphase aber alles drin, was ein interessantes Handballspiel braucht: Wille, Feuer, Tempo und Kampf. Nach der Anfangsviertelstunde machten dann aber auch immer mehr Treffer das Handball-Potpourri rund. Ohne den verletzten Nationalspieler Fabian Böhm (Bauchmuskelprobleme) erkämpfte sich DIE RECKEN Abwehr um Evgeni Pevnov, Ilija Brozovic und Domagoj Srsen jeden möglichen Ball. Offensiv fanden Morten Olsen, der auf Linksaußen agierende Hannes Feise und Co. nun auch besser ins Spiel und hatten auf Lemgos Führungstreffer stets die richtige Antwort.

Mit einem 13:13-Pausenstand ging es folgerichtig in die zweite Halbzeit, die etwas unglücklich für DIE RECKEN begann. Denn gleich dreimal scheiterten Niedersachsens Spitzenhandballer am Aluminium des gegnerischen Tores, was die Gäste wieder mit 15:13 in Front brachte. Allerdings hielten die Niedersachsen in dieser Phase in der Defensive gut dagegen und versuchten, sich das Glück zu erarbeiten. Mit Erfolg, denn mit einem 4:0 Lauf brachten sich DIE RECKEN wieder in Position. Nach einem unterbundenen Tempogegenstoß kam es zum Freiwurf für die RECKEN an der Neun-Meter-Linie des Gegners. Der von Pevnov schnell ausgeführte Ball fand im heraneilenden Olsen einen Abnehmer, der vom Kreis erfolgreich zum Wurf kam und die 17:15 Führung markierte (37.).

Von nun an verteidigten Hausherren ihre verdiente Führung mit allen Mitteln. Die eigentlich defensive 6:0-Abwehr agierte in dieser Phase des Spiels überaus offensiv und aktiv. So konnte der Gegner schon bei neun bis zehn Meter vor dem eigenen Tor enorm unter Druck gesetzt werden, woraus sich einige Ballgewinne ergaben. Nach einem solchen wurde „Roadrunner“ Cristian Ugalde auf die lange Reise geschickt, um zum 20:17 einzunetzen und den RECKEN ein kleines Polster zu verschaffen.

Allerdings fanden die von Weltmeister Florian Kehrmann trainierten Gäste immer häufiger Antworten auf die starke Abwehrleistung der RECKEN und trafen in der 44. Minute zum 20:20 Ausgleich. Dabei profitierten sie auch immer wieder von technischen Fehlern der Gastgeber, deren Angriffsspiel immer wieder mit Unkonzentriertheiten behaftet war.

Von nun an ging es auf dem Parkett bis zum Schlusspfiff hin und her. Zunächst schien es so, als wenn DIE RECKEN sich erneut absetzen könnten, doch ab der 50. Minute schlug das Pendel mehr und mehr zu Gunsten des TBV Lemgo Lippe aus. So mussten DIE RECKEN unter anderem eine rote Karte gegen Torge Johannsen (56.) verkraften und gerieten 90 Sekunden vor Schluss durch den besten Lemgoer Werfer Dani Baijens mit 27:26 in Rückstand.

Im folgenden Angriff scheiterte Nejc Cehte am Gästeblock und so hatte Lemgo die große Chance, zwei Punkte mitzunehmen. DIE RECKEN stemmten sich aber mit Mann und Maus gegen die drohende Niederlage und kamen nochmal in Ballbesitz. Ugalde erhielt den Ball im Konter auf Höhe der Mittellinie und lief auf das gegnerische Tor zu. Kurz bevor sein Gegenspieler ihn einfangen konnte, spielte er auf den mitgelaufenen Kastening ab, der nur Sekunden vor Schluss zum umjubelten 27:27 Ausgleich traf.

Dennoch war das Unentschieden gefühlt zu wenig für die Verantwortlichen der RECKEN, vor allem aufgrund der offensiven Leistung ihrer Mannschaft. „Es war ein sehr knappes Spiel. Wir hätten es gerne gewonnen, müssen am Ende aber mit einem Punkt zufrieden sein“, sagte Carlos Ortega. „Wir haben eine international sehr gut besetzte Truppe, da haben wir gefühlt heute einen Punkt zu wenig geholt“, vermisste Sven-Sören Christophersen nach der deutlichen Niederlage im EHF Cup gegen die Füchse Berlin die entsprechende Reaktion seiner Mannschaft.

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