Zum Abschluss des neunten Spieltags der Daikin Handball-Bundesliga mussten die RECKEN in der Kreissporthalle Lübbecke eine 30:33-Niederlage gegen GWD Minden hinnehmen. Bereits zur Halbzeit lag die Mannschaft von Trainer Christian Prokop mit 13:15 zurück. Erfolgreichster Torschütze der Niedersachsen war Daniel Weber mit sechs Treffern.
Zwar gelang den RECKEN durch Vilhelm Poulsen bereits nach 43 Sekunden die frühe 1:0-Führung, doch sollte dies die einzige Führung des Spiels bleiben. Ein 0:3-Lauf der Gastgeber, abgeschlossen durch Tom Bergner nach 4:15 Minuten zum 1:3, brachte die Niedersachsen früh ins Hintertreffen. In der Folge gelang es zwar, den Rückstand konstant im Rahmen zu halten, jedoch zunächst nicht, näher als auf ein Tor heranzukommen. Auffällig: Allein in den ersten zehn Minuten unterliefen den RECKEN drei technische Fehler – GWD Minden blieb in dieser Phase hingegen fehlerfrei und nutzte seine Chancen nahezu konsequent. Nach dem 5:7 durch Philipp Vorlicek (12:52 Minute) keimte kurzzeitig Hoffnung auf. Zunächst verkürzte Jonathan Edvardsson bei seinem Start-Sieben-Comeback auf 6:7 (13:28 Minute). Nach einem Fehlwurf der Gastgeber schaltete Torhüter Joel Birlehm schnell um und setzte Linksaußen August Pedersen mit einem langen Pass über das gesamte Spielfeld in Szene, der zum 7:7 ausglich (14:15 Minute). Es sollte jedoch das letzte Unentschieden der gesamten Partie bleiben. Im Anschluss setzte sich GWD Minden erneut mit einem 3:0-Lauf ab. Der auffällige Ian Weber erhöhte nach 18:24 Minuten auf 7:10 – erstmals betrug der Rückstand drei Treffer. Der Mindener Rückraumspieler avancierte mit sieben Toren schließlich auch zum erfolgreichsten Werfer der Partie. Über die Zwischenstände 8:11 und 9:12 behaupteten die Gastgeber ihren Vorsprung. Prokop reagierte mit einer Auszeit (22:19 Minute) und tatsächlich brachte Daniel Weber die RECKEN wenig später erneut auf ein Tor heran (11:12 nach 23:22 Minuten). Der junge Rechtsaußen war schon im ersten Durchgang für den verletzten Kapitän Marius Steinhauser ins Spiel gekommen. Doch die Aufholjagd währte nicht lange: Beim 11:14 und 12:15, letzteres per Siebenmeter durch Florian Kranzmann (27:46 Minute), stellte GWD den alten Abstand wieder her. Pedersen bot sich im Gegenzug die Chance, per Siebenmeter zu verkürzen, scheiterte jedoch ebenso an Ex-RECKEN-Keeper Malte Semisch (28:51 Minute) wie zuvor bereits Steinhauser vom Strich (15:03 Minute). Nach einem technischen Fehler des Aufsteigers nutzte Lukas Stutzke die Gelegenheit und stellte 17 Sekunden vor der Pause den Halbzeitstand von 13:15 her.
Bereits 57 Sekunden nach Wiederanpfiff griffen die Schiedsrichter Marvin Cesnik und Jonas Konrad beim Stand von 13:16 zum Videobeweis. Karolis Antanavičius hatte Jonathan Edvardsson am Wurfarm getroffen und erhielt eine Zwei-Minuten-Zeitstrafe. Den fälligen Siebenmeter verwandelte Daniel Weber sicher zum 14:16. Im direkten Gegenzug jedoch musste auch Weber für zwei Minuten vom Feld, nachdem er den Ball mit dem Fuß gespielt hatte (30:57 Minute). Beim 16:17 durch Poulsen (33:50 Minute) war die TSV Hannover-Burgdorf erneut auf einen Treffer herangekommen. Mindens Weber stellte nach 35:24 Minuten den bis dahin höchsten Vorsprung der Partie zum 16:20 her. Zuvor scheiterten die Niedersachsen mehrfach an der starken Mindener Abwehr und Torhüter Semisch, der in dieser Phase mit einer Doppelparade glänzte. Hannover-Burgdorf brachte nach dem Vier-Tore-Rückstand Birlehm zurück ins Tor. Er hatte zwar gestartet, machte aber nach knapp 22 Minuten Platz für Simon Gade. Gade kam in den knapp 13 Spielzeit auf keine Parade. Birlehm, an alter Wirkungsstätte (er spielte sowohl für Minden als auch für den TuS N-Lübbecke) auf sieben Paraden. Semisch am Ende auf zwölf Paraden. Trotz des 18:21-Anschlusstreffers durch Fischer (37:26 Minute) fanden die RECKEN auch im anschließenden (phasenweise gespielten) Überzahlspiel im Sieben-gegen-Sechs nur selten Mittel gegen die wache Mindener Defensive. Zwar steigerte sich die Abwehr der Niedersachsen zunehmend und zwang die Gastgeber vermehrt ins Zeitspiel, doch fanden diese häufig dennoch Lösungen. Auch Birlehm konnte sich mehrfach auszeichnen, etwa bei seiner Parade gegen Antanavičius (41:21 Minute), doch meist landeten die Abpraller bei den Gastgebern, die durch Bergner am Kreis Sekunden später zum 19:22 trafen. Erst in der 44. Minute konnte Daniel Weber per Siebenmeter auf 20:24 verkürzen, doch anschließend setzte sich GWD Minden erstmals auf sechs Tore ab – erneut durch Bergner zum 21:27 (46:58 Minute). Trainer Prokop reagierte knapp elf Minuten vor Schluss mit einer offensiveren Deckung, bei der Marian Michalczik in einer 5:1-Formation auf der Spitze agierte. Der defensive Umstellung zeigte zunächst Wirkung: Minden scheiterte im ersten Angriff an Birlehm (49:28 Minute), kurz darauf sah Azat Valiullin nach einem Ellbogentreffer gegen Poulsen eine Zeitstrafe (49:59 Minute). Edvardsson, der zuvor bereits viel einstecken musste, verkürzte unmittelbar nach der Zeitstrafe auf 24:28. Doch auch dieser Hoffnungsschimmer hielt nicht lange: Der debutierende Jakub Sterba stellte nach 52:23 Minuten den Sechs-Tore-Rückstand beim 25:31 wieder her. Auch eine angepasste 4:2-Deckung der Niedersachsen brachte nicht die erhoffte Wende. Nach weiteren Fehlwürfen im Angriff der Hannoveraner erhöhte Kranzmann gut fünf Minuten vor dem Ende sogar auf 25:32. Die eingewechselten Maxim Orlov und Sindre Aho brachten mit zwei Treffern von Orlov und einem von Aho nochmals Schwung ins Spiel und verkürzten nach 57:06 Minuten auf 28:32. Daniel Weber vollendete den zwischenzeitlichen 4:0-Lauf per Siebenmeter zum 29:32 (58:11 Minute). Doch spätestens Sterbas Treffer zum 29:33 eine Minute vor Schluss besiegelte die Entscheidung. Am Ende unterlag die TSV Hannover-Burgdorf im Nachbarschaftsduell mit 30:33.
„Herzlichen Glückwunsch an Aaron und GWD zu zwei verdienten, erkämpften und erspielten Punkten. Ich habe nicht gehofft, dass ich das sagen muss nach so einem Spiel, weil unser Anspruch natürlich ist, hier die zwei Punkte mitzunehmen und wir auch die Qualität dafür haben, dieses Spiel auf unsere Seite ziehen zu können. Aber zum Handball gehört mehr: Neben Qualität braucht man eine starke Geschlossenheit und Einsatzbereitschaft und natürlich muss man auch eine gewisse Abgezocktheit vor dem Tor mitbringen – und all das haben wir heute nicht gut gemacht. Das sind Dinge, die uns schon länger begleiten, mal besser, mal schlechter laufen in verschiedenen Spielen, aber wir so nicht durch die Liga gehen können, weil wir dann einfach nicht konkurrenzfähig genug sind. Aber das soll den Sieg von GWD nicht schmälern. Die haben sich heute richtig reingehauen. Ian Weber, Antanavičius oder auch Bergner haben wir nicht in den Griff bekommen, weil sie einfach druckvoll gespielt und hinten mit der entsprechenden Aggressivität, die man auch braucht, verteidigt haben“, äußert sich Cheftrainer Prokop auf der anschließenden Pressekonferenz.
DIE RECKEN: Simon Gade, Joel Birlehm, Vilhem Poulsen (5), Maxim Orlov (2), Ole Kurok, August Pedersen (2), Marius Steinhauser (1), Marian Michalczik (2), Jonathan Edvardsson (4), Sindre Aho (1), Lukas Stutzke (2), Thomas Solstad, Johannes Thiel, Justus Fischer (5), Hannes Feise, Daniel Weber (6)
Lange auf die nächsten Spiele warten müssen die RECKEN-Fans nicht: Bereits am Dienstag, den 21. Oktober, ist der slowakische Verein Tatran Prešov zum zweiten Gruppenspieltag der EHF European League in der Swiss Life Hall zu Gast. Anwurf ist um 18:45 Uhr – Tickets sind noch erhältlich.