Für die TSV Hannover-Burgdorf geht es im morgigen Viertelfinalrückspiel darum, sich für das Final4-Turnier der EHF European League in Hamburg zu qualifizieren und Vereinsgeschichte zu schreiben. Noch nie erreichten die RECKEN ein europäisches Halbfinale. Entsprechend groß ist die Motivation der Mannschaft von Cheftrainer Juan Carlos Pastor, mit Unterstützung der eigenen Fans in der Swiss Life Hall, dem europäischen Wohnzimmer des einzigen niedersächsischen Bundesligisten, diesen Schritt zu schaffen.
Im Hinspiel am vergangenen Mittwoch, welches aufgrund der eingeschränkten Hallenverfügbarkeit vom ursprünglich vorgesehenen Dienstag verlegt worden war, wusste insbesondere die Offensive zu überzeugen. 39 erzielte Tore unterstreichen die Durchschlagskraft im Angriff. Gleichzeitig offenbarte das 39:39 jedoch auch Defizite in der Defensive. Trotz 13 Paraden von Torhüter Joel Birlehm gelangen dem Gegner ebenso viele Treffer. Überragender Akteur im Angriff war August Pedersen, der bei elf Versuchen elfmal erfolgreich war.
Die Rolle des Außenseiters kam den Niedersachsen entgegen. Die Mannschaft agierte befreit und ließ sich auch von zwischenzeitlichen Rückständen nicht verunsichern. Angeführt von einer dynamischen Rückraumreihe um Lukas Stutzke, Leif Tissier und Renars Uscins sowie später durch den agilen Jonathan Edvardsson konnte der verletzungsbedingte Ausfall von Marian Michalczik im Angriff kompensiert werden. In der Defensive machte sich sein Fehlen angesichts der vielen Gegentore jedoch bemerkbar.
Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass die RECKEN insbesondere in der European League überzeugen. Die TSV Hannover-Burgdorf stellt als einzige Mannschaft zwei Spieler unter den 20 besten Torschützen des Wettbewerbs, die beide eine Trefferquote von über 75 Prozent aufweisen. Justus Fischer kommt auf 76,9 Prozent, während Pedersen mit 81,9 Prozent herausragt. Auch die SG Flensburg-Handewitt stellt zwei Spieler unter den Top 20. Allerdings erreicht nur Kapitän Johannes Golla mit 75,8 Prozent eine vergleichbare Effizienz. Marko Grgic weist als drittbester Torschütze vor dem Rückspiel eine Quote von 56,7 Prozent auf.
Die Vorbereitung auf das Rückspiel verlief für das Pastor-Team unter erschwerten Bedingungen. Nach der späten Rückkehr in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag stand bereits am Freitag die Weiterreise nach Wuppertal an, wo am Samstag das Bundesligaspiel des 30. Spieltags gegen den Bergischen HC auf dem Programm stand, welches unglücklich mit einem Tor verloren gegangen ist. Erst am frühen Sonntagmorgen kam die Mannschaft wieder in der niedersächsischen Landeshauptstadt an.
Anders gestaltete sich die Situation für den amtierenden European League Sieger aus Flensburg. Das ursprünglich angesetzte Auswärtsspiel in der Bundesliga beim Tabellenführer SC Magdeburg wurde verlegt, sodass sich die SG Flensburg-Handewitt gezielt auf das Rückspiel vorbereiten konnte und zusätzliche Reisestrapazen vermied.
Mit mehr als 4.000 Fans im Rücken, von denen ein Großteil die RECKEN unterstützt, bietet sich morgen die Chance, mit einem Sieg den Einzug in das Final4 zu sichern. Das Turnier findet am 30. und 31. Mai in der Barclays Arena statt, idealerweise mit Beteiligung der TSV Hannover-Burgdorf.
Die Begegnung wird, wie auch alle Partien der Bundesliga, live und im Anschluss auf Abruf beim Streamingdienst Dyn übertragen. Die Übertragung startet ab 18:35 Uhr. Anpfiff des Viertelfinalrückspiels ist um 18:45 Uhr in der Swiss Life Hall.