Erneut musste die TSV Hannover-Burgdorf ohne das Kreisläuferduo Justus Fischer und Thomas Solstad auskommen. Neben Eigengewächs Luis Rodriguez stand mit Kjell Kothe (Jahrgang 2007) zudem ein A-Jugendlicher aus der RECKEN-Schmiede als weiterer Kreisläufer erstmals im Bundesliga-Kader. Zum Rückrundenauftakt der stärksten Liga der Welt erkämpften sich die Niedersachsen beim deutschen Rekordmeister THW Kiel ein 29:29-Unentschieden, nachdem sie zur Halbzeit mit 16:14 geführt hatten. Mit insgesamt neun Treffern war August Pedersen der erfolgreichste Schütze in der Wunderino-Arena.
Die Mannschaft aus der niedersächsischen Landeshauptstadt, die erneut ohne den weiterhin erkrankten Cheftrainer Christian Prokop antreten musste und stattdessen von Heiðmar Felixson sowie dem sportlichen Leiter Sven-Sören Christophersen als Co-Trainer betreut wurde, fand am 18. Spieltag zunächst schwer in die Partie: Lediglich einer der ersten fünf Angriffe führte zu einem Treffer. Dennoch konnte sich der amtierende DHB-Pokalsieger nur auf zwei Tore absetzen. Der schweizer Kreisläufer Lukas Laube erzielte beim 1:3 nach 5:18 Minuten sowie beim 2:4 aus RECKEN-Sicht nach 6:02 Minuten die Treffer für den THW. Anschließend fand die TSV Hannover-Burgdorf jedoch immer besser in die Begegnung. In der Abwehr antizipierte Pedersen aufmerksam einen Ballgewinn und erzielte nach 9:33 Minuten den Ausgleich zum 5:5, nachdem er zuvor bereits das zwischenzeitliche 1:1 erzielt hatte. Letztmals in Rückstand in der ersten Halbzeit gerieten die Niedersachsen beim 6:7 durch THW-Youngster Rasmus Ankermann, der auch aufgrund des Kieler Pokalspiels vor zwei Tagen gegen die Füchse Berlin den Vorzug gegenüber dem Färinger Elias Ellefsen á Skipagøtu erhielt. Danach drehte sich das Spielgeschehen. Nach einem Steal von Renars Uscins vollendete der deutsche Nationalspieler zum 8:7 und damit zur ersten Führung nach ziemlich genau 13 Spielminuten. Leif Tissier erzwang im Anschluss ein Stürmerfoul in der Abwehr und erzielte im darauffolgenden Angriff die erste Zwei-Tore-Führung seiner Mannschaft zum 10:8 (15:10 Minute). Die Abwehr um Marian Michalczik und Lukas Stutzke fand in der Folge immer besser in die Partie und zwang die Kieler zu vermehrten technischen Fehlern. Beide gelernten Rückraumspieler teilten sich gemeinsam mit Hannes Feise die Kreisläuferposition im Angriff der ersten Halbzeit. Es dauerte nahezu 20 Minuten, ehe Joel Birlehm, der noch vor der Hälfte der ersten Halbzeit für Simon Gade ins Spiel gekommen war, die erste Parade seiner Mannschaft verbuchen konnte. Auch die Kieler Torhüter hatten zu diesem Zeitpunkt erst zwei Paraden vorzuweisen, beide aus den ersten beiden Spielminuten. Beim 12:9 durch Tissier, der in den ersten 30 Minuten vier Treffer erzielte, betrug die Führung nach 21:24 Minuten erstmals drei Tore. Pedersen bestätigte diese Führung knapp eine Minute später beim 13:10. Á Skipagøtu übernahm nach seiner Einwechslung zunehmend Verantwortung im Kieler Angriffsspiel und war gemeinsam mit Zerbe mit jeweils sieben Treffern am Ende bester Torschütze der Gastgeber. Vorerst letztmals mit drei Toren Vorsprung führten die RECKEN durch Jonathan Edvardsson beim 14:11 knapp fünf Minuten vor der Pause. Der ägyptische Neuzugang Mohab Abdelhak verkürzte anschließend beim 14:13 nochmals für den THW. Danach konnten sowohl Andreas Wolff als auch Birlehm jeweils einen Siebenmeter parieren. Den Schlusspunkt der ersten Hälfte setzte jedoch Tissier mit dem Treffer zum 16:14-Halbzeitstand.
Nach der Pause gelang es dem Rekordmeister durch á Skipagøtu nach 34:19 Minuten, beim 17:17 erneut auszugleichen. Die Niedersachsen fanden jedoch auch darauf eine Antwort und setzten sich mit einem 4:0-Lauf ab. Birlehm steuerte in dieser Phase zwei Paraden bei, ehe Vilhelm Poulsen den Lauf zum 21:17 nach 37:48 Minuten vollendete. Kiel-Trainer Filip Jicha reagierte mit einer Auszeit, stellte die Abwehr auf eine 3:2:1-Deckung um und setzte im Angriff, sofern keine Zeitstrafe gegen die TSV Hannover-Burgdorf vorlag, auf das Sieben-gegen-Sechs-Spiel. In der Folge startete der THW einen starken 5:0-Lauf, den Zerbe beim 21:22 in der 42:50 Minute zur ersten Kieler Führung seit dem 6:7 verwandelte. Das Momentum kippte jedoch erneut. Zunächst traf Daniel Weber zum 22:22, anschließend fing er einen Pass von á Skipagøtu in eigener Abwehr ab und schickte Tissier auf den Tempogegenstoß, den dieser zur erneuten Führung beim 23:22 nach fast 44 gespielten Minuten verwandelte. Fortan entwickelte sich ein intensives Bundesligaspiel, in dem keine der beiden Mannschaften mit mehr als einem Tor in Führung gehen konnte. Felixson setzte nun ebenfalls verstärkt auf das Überzahlspiel im Angriff und brachte mit Rodriguez einen gelernten Kreisläufer, der in seinem dritten Bundesligaspiel in Folge erfolgreich ein Treffer beisteuern konnte. Dennoch lagen die RECKEN nach der Führung durch Tissier zunächst stets mit einem Tor zurück, auch weil sowohl Pedersen als auch Kapitän Marius Steinhauser per Siebenmeter an Wolff scheiterten. Erst nach 55:42 Minuten brachte Uscins seine Mannschaft beim 27:26 wieder in Führung. Zuvor hatte Birlehm gegen den angeschlagen ins Spiel gegangenen Eric Johansson pariert. Birlehm kam am Ende auf sieben Paraden, sein Gegenüber Wolff auf zehn. Das Spiel sollte sich dennoch ein weiteres Mal wenden. Nach einem Stürmerfoul der RECKEN beim Stand von 28:28 erzielte Johansson 40 Sekunden vor dem Ende das 28:29 für die Gastgeber. Nach Ablauf der 60 Minuten entschieden die Schiedsrichter Cesnik und Konrad nach Videobeweis auf Siebenmeter für die TSV Hannover-Burgdorf, den Pedersen zum verdienten 29:29-Endstand verwandelte.
„Es war auf jeden Fall eine ganz starke Leistung von uns, wenn man guckt, dass Thomas Solstad und Justus Fischer nicht mit dabei waren. Wir spielen quasi mit Marian Michalczik und Lukas Stutzke am Kreis über 60 Minuten, natürlich ab und zu im Sieben gegen Sechs in der zweiten Halbzeit. Ich kann wirklich nur ein Kompliment an meine Jungs machen. Die haben wirklich alles reingehauen, sind immer wieder aufgestanden. Die Abwehr war fantastisch, auch wenn wir am Anfang ein paar Mal im Angriff verworfen haben. Vielleicht hätten wir in den ersten zehn Minuten ein bisschen Puffer gehabt, das ist uns aber nicht gelungen. Trotzdem hat die Mannschaft immer an sich geglaubt und weiter gekämpft, weiter geackert und mit Leif im Angriff einen Spieler gehabt, der immer die Lücken gesucht hat. In der zweiten Halbzeit hatten wir vier Tore Vorsprung, verlieren das aber relativ schnell – auch wegen Zwei-Minuten-Strafen und der 3:2:1-Abwehr von Kiel. Aber wie in den letzten Spielen machen die Jungs weiter und glauben tatsächlich an einen Punktgewinn oder sogar zwei Punkte. Heute war das auch der Fall und deswegen sind wir mit dem Punktgewinn sehr zufrieden. Ich denke, wenn man den Spielverlauf betrachtet, ist das auch so in Ordnung“, so Felixson auf der anschließenden Pressekonferenz.
DIE RECKEN: Simon Gade, Joel Birlehm, Leif Tissier (7), Vilhelm Poulsen (2), Renars Uscins (4), August Pedersen (9), Marius Steinhauser, Marian Michalczik (3), Kjell Kothe, Jonathan Edvardsson (1), Sindre Aho, Lukas Stutzke, Hannes Feise, Daniel Weber (2), Luis Rodriguez (1)
Nach den Weihnachtsfeiertagen kommt es am Samstag, den 27. Dezember, um 20:00 Uhr in der RECKEN-Festung zum Bundesligaduell mit GWD Minden. Die Partie ist bereits nahezu ausverkauft.
Die letzten Karten gegen Minden können noch im Online-Ticketshop, über die Ticket-Hotline (01806 70 77 70), in der Geschäftsstelle (Expo Plaza 7, 30539 Hannover) sowie an ausgewählten Vorkaufsstellen gesichert werden.