Vor 3.840 Zuschauern in der Rothenbach-Halle in Kassel trennten sich die TSV Hannover-Burgdorf und Gastgeber MT Melsungen mit einem 29:29-Unentschieden. In einer intensiven und über weite Strecken ausgeglichenen Partie lagen die RECKEN in der ersten Hälfte lediglich ein einziges Mal in Führung – ausgerechnet beim Pausenstand von 17:16. Maßgeblichen Anteil daran hatte erneut August Pedersen, der mit herausragenden 14 Treffern fast die Hälfte aller Hannoveraner Tore erzielte.
Die Niedersachsen gerieten früh in Rückstand. Zwar markierte Lukas Stutzke nach 90 Sekunden den 1:1-Ausgleich, doch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit liefen die Hannoveraner kontinuierlich einem knappen Rückstand hinterher. Melsungen erspielte sich früh einen Zwei-Tore-Vorsprung, so auch beim 2:4 durch Ex-RECKE Timo Kastening nach gut drei Minuten. Der Rechtsaußen blieb ansonsten eher blass und erzielte am Ende lediglich zwei Treffer. Die TSV Hannover-Burgdorf setzte im ersten Abschnitt früh auf den siebten Feldspieler und griff immer wieder auf diese Variante zurück, sobald der schnelle Gegenstoß nicht erfolgreich war. Die MT agierte über weite Strecken in Überzahl und konnte diesen Vorteil vor allem im zweiten Durchgang nutzen, in der die Niedersachsen in Gleichzahl im Angriff spielten. Dennoch erarbeiteten sich die RECKEN immer wieder Anschlussmöglichkeiten. Nach Kastening zweitem Treffer zum 5:8, der ersten Drei-Tore-Führung für die Hessen, verkürzte Justus Fischer beim 12:13 in der 20. Minute erneut. Nach dem 12:14 durch Dainis Krištopāns starteten die Hannoveraner einen 3:0-Lauf, den Pedersen per Siebenmeter zum 14:14 abschloss. Kurz vor der Pause traf er schließlich eine Sekunde vor dem Halbzeitpfiff zur ersten RECKEN-Führung beim 17:16.
Der zweite Durchgang begann äußerst hitzig. Beide Teams gerieten in den Fokus der Schiedsrichter, die zweimal den Videobeweis bemühten – beide Male endete die Überprüfung mit einer Zwei-Minuten-Strafe. Pedersen erhöhte gut vier Minuten nach Wiederanpfiff auf 19:16, ehe die TSV durch drei parallele Zeitstrafen zunehmend in Bedrängnis geriet. Melsungens Mandic traf in der 37. Minute zum 19:19-Ausgleich. Ein Faktor der zweiten Hälfte war zudem der Torwartwechsel der Hausherren: László Bartucz ersetzte Kristóf Palasics, der das Duell mit RECKEN-Keeper Joel Birlehm im ersten Durchgang deutlich verloren hatte (2 Paraden zu 7 Paraden). Auf Seiten der Niedersachsen kam später im Laufe des zweiten Durchgangs noch Simon Gade in die Partie, der sich nach dem Wiederanpfiff mit einem gehaltenen Siebenmeter auszeichnete, für den er kurz eingewechselt worden war. Angetrieben von den eigenen Fans übernahm Melsungen anschließend wieder die Kontrolle und setzte sich mehrfach mit zwei Toren ab. Doch die RECKEN bewiesen Moral und kämpften sich zurück. Zehn Minuten vor dem Ende stellte, einmal mehr, Pedersen auf 26:26. Die Schlussphase blieb torarm und dramatisch: Rund 90 Sekunden vor Schluss erzielte Olle Forsell Schefvert das 27:29. Doch Hannover gab sich nicht geschlagen und kam zehn Sekunden vor dem Ende durch Pedersen zum 29:29-Ausgleich. Nach Ablauf der Spielzeit erhielt Ex-Hannoveraner Vlad Kulesh noch die Chance auf den Lucky Punch per direktem Freiwurf, scheiterte jedoch am gut postierten RECKEN-Block. Mit sechs Treffern war der Belarusse bester Werfer der MT, allerdings mit einer Quote von 55 Prozent.
„Wir sind natürlich sehr froh über jeden Bundesligapunkt – und natürlich auch hier bei der MT Melsungen, die eine richtig starke Mannschaft stellt, taktisch top geschult ist und über sehr, sehr viele verschiedene Waffen verfügt. Wir haben uns aber auch einen sehr ausgeklügelten Matchplan zurechtgelegt, der eigentlich am Anfang auch aufgeht. Aber wir fassen zweimal, nachdem wir gut verteidigen, den Abpraller irgendwie nicht, und Arnarsson ist da schneller und wirft auch noch zum Tor ein. Sonst wäre die Anfangsphase noch ein bisschen ausgeglichener gewesen. Aber meine Mannschaft bleibt in den letzten Wochen sehr ruhig und bei sich, vertraut ihren Stärken und schafft es dementsprechend, das Spiel in Halbzeit eins wieder ausgeglichen zu gestalten und natürlich mit so einem Buzzerbeater von August Petersen, der gerade eine sehr tolle Form hat, mit einer Führung in die Pause zu gehen. Nach der Pause kommen wir gut raus, nutzen die Überzahl, und dann kommen Phasen, in denen wir Enderleit überhaupt nicht in den Griff kriegen, der durch unsere Abwehr durchfliegt. Es hagelt Zeitstrafen, und wir stellen uns dann unclever an – und schon ist der Vorsprung verbraucht, und die Atmosphäre ist hier richtig angezündet. Das kannten wir schon aus Lemgo, aus diesem Hexenkessel, und das war hier genauso fantastisch. Ich finde, dass wir uns da sehr gut und diszipliniert mit einer ganz tollen Abwehrarbeit immer wieder die Chance auf Führung oder Ausgleich zurückerarbeiten. Aber Bartucz hält in einer Phase, glaube ich, drei Bälle von außen und vom Kreis. Wir haben ein bisschen Wurfpech mit Uscins’ zwei Pfostenwürfen, die nicht reinspringen. Das Spielglück ist da nicht auf unserer Seite – also liegen wir kurz vor Schluss mit zwei Toren hinten. Von daher finde ich, ist es ein erkämpfter, ein verdienter Punkt, bei dem erneut unsere Abwehr und die Spieldisziplin überzeugt haben“, äußert sich Prokop auf der Pressekonferenz.
DIE RECKEN: Simon Gade, Joel Birlehm, Leif Tissier (4), Vilhem Poulsen, Renars Uscins (2), Maxim Orlov, August Pedersen (14), Marian Michalczik (1), Jonathan Edvardsson (2), Sindre Aho, Lukas Stutzke (1), Thomas Solstad (1), Justus Fischer (3), Hannes Feise, Daniel Weber (1), Bela Wellmann
Bereits am Montag reist die Mannschaft weiter nach Göteborg, um dort am Dienstag in der EHF European League gegen IK Sävehof anzutreten. Auf das nächste Heimspiel müssen die RECKEN-Fans jedoch nicht lange warten: Schon am Donnerstag, den 20. November, um 19:00 Uhr, steht das Bundesligaduell gegen den Bergischen HC in der heimischen RECKEN-Arena auf dem Programm.
Tickets für die Begegnung gegen den Bergischen HC sowie für alle weiteren Heimspiele in der Handball-Bundesliga und in der EHF European League sind bequem über den Online-Ticketshop, die Ticket-Hotline (01806 70 77 70), in der Geschäftsstelle (Expo Plaza 7, 30539 Hannover) sowie an ausgewählten Vorkaufsstellen erhältlich. Ebenfalls kann bereits die Rückrunden-Dauerkarte erworben werden.